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Das Portal der Welt.de titelt unter: www.welt.de/finanzen/article13686496/Regierung-s .. REGIERUNG SCHÜTZT VERBRAUCHER VOR RISIKO-ANLAGEN.

Es geht um strengere Regeln für den sogenannten „grauen Kapitalmarkt“ und den bessere Anlegerschutz vor unseriösen Finanzprodukten. Mithin sollen etwa 80’000 Vermittler von Finanzprodukten künftig ihre Vermittler-Provisionen offenlegen müssen. Was in der Umsetzung sicher spannend zu beobachten sein wird, weil beispielsweise parallel dazu, ein Frankfurter Gericht unter: Az.9K105/11.F soeben entschied, dass Vermittler von Versicherungen und Finanzprodukten ihre Provisionen an den Kunden weitergeben dürfen.

Nicht ganz auszuschließen also, dass Vermittler und Kunden demnächst spezielle Provisions-Deals im Vorfeld vereinbaren, bevor die Kundin, der Kunde ihren/ seinen eigentlichen Finanzprodukt-Antrag (-Vertrag) unterschreibt. Da die Gesetzgeber in ihrem Bundestagspassierten Regelwerk aber auch vorgesehen haben, dass Vermittler bei vorzeitiger Vertragskündigung und trotz verlängerter Stornohaftungszeit, Provisionen pro rata temporis an die Produktgeber (Fondsgesellschaften, Versicherungen u.ä.) zurückbezahlen müssen, wird ein munteres Eintreiben sprich Inkasso von Kundenversprochen, aber noch nicht ausbezahlten oder aber wieder rückgeforderten, Provisionen losgehen…

Weiß man nun noch um die laufende Vertriebsfirmen-Praxis, wonach die Finanz-Vertriebsgesellschaften ihren Vermittlern die Provisionen in der Regel revolvierend über Monate vorfinanzieren sprich als Kredit ausbezahlen, der Vermittler mithin also ‚Schuldner der Vertriebsfirma‘ ist und in deren absoluter Abhängigkeit und Hörigkeit agiert, dann müsste jedem Beobachter so langsam die Frage aufgehen: wie das alles zu mehr ‚Sicherheit‘ und weniger ‚Grau‘ im Finanz- und Kapitalmarkt führen soll? Bleibt die alles entscheidende Frage: ob unsere Gesetzgeber und Handelsrichter überhaupt die Karrieregesetzmäßigkeiten der MLM/ Multi-Level-Marketing-Finanzfirmen kennen? Laut Cash-Hitliste haben immerhin die cashgemeldeten Finanzvertriebe zusammen einen Provisions-Jahresumsatz (2010) von nahezu 3,4 Milliarden Euro generiert. Dass darin eine enorm höhere Milliardensumme an transferierten Kunden- und Volksvermögen steckt, dürfte selbst jedem Laien klar sein…

Die Karriere- und Pyramidengesetze im Multi-Level-Marketing der Finanzvertriebe, sind aber wesentlich subtiler als dass sie sich auf das Augenmerk der reinen Kundenvertragsvermittlungen respektive auf die daraus resultierenden Provisionserträge reduzieren ließen. Auch wenn das Grund-Handlungs-Motiv aller Vermittler im Geld- beziehungsweise im Provisionsverdienen liegt. Ein Außenstehender sollte aber wissen, dass es immer auf den ‚Karrierestufen-Multiplikator respektive Potentiator‘ ankommt. Multiplikator- und Potentiator-Faktoren werden von den Umsatzzahlen gebildet respektive sind von der Anzahl der Kundenverträge notabene der unterstrukturierten, selbst angeworbenen oder unterstrukturiert angeworben Sub-Vermittler abhängig.

Hieraus ergeben sich hebelwirksame, vertriebsmathematische Multiplikations- oder Potenzierungsformeln, siehe Video auf: www.youtube.com/watch?v=aEjC5EtPhoU

Die Finanzprodukt-Vermittler kommen nur über das permanente Anwerben neuer Sub-Vermittler zu multiplizierten, später potenzierten Struktur-Umsatzzahlen und werden im Grunde von ihren unterstrukturierten Sub-Vermittlern auf ihrer MLM-Karriereleiter weiter hinaufgeschoben. Ein jeder Vermittler trachtet also primär nach einem möglichst schnellen Karriereleiteraufstieg, weil der höchste ‚Provisions-Faktor‘ allein an der Spitze der MLM-Pyramide ausbezahlt wird. Oben angekommen, soll man immer mehr, in immer kürzeren Zeitabständen verdienen. Monatseinkommen in Millionenhöhe werden von den MLM-Vertriebsfirmenbossen vertriebsmathematisch vorgerechnet. Das bedeutet: aus rein MLM-karrieretechnischen Gründen, wird die Qualität eines jeden Vermittlergeschäftes, die Qualität eines jeden Finanzproduktes, der Bedarf eines jeden Kunden, immer sekundär bleiben.

Kein Wunder also, dass es in manchen MLM-Finanzvertrieben Vermittler gibt, die, dann wenn ihnen nur wenige ‚Einheiten/ Zähler‘ zum nächsten Karriereleiterschritt fehlen, den ein oder anderen Kundennamen und Vertrag auf dem Friedhof notieren, weil ihnen dieser nächst höhere Karrierefaktor wichtiger ist, als die Qualität und der Bestand des angeblich vermittelten Vertrages. Und um nicht vorschnell aufzufallen, zahlen sie oftmals die ersten Prämien ihrer Vertragsleichen gleich selbst beim Produktanbieter ein. Natürlich gibt es auch sogenannte Gefälligkeits-Verträge, die allein diesem angezeigten, nächsten Karriereaufstiegsschritt dienen, und die Social Community, Oma, Opa, Tante oder Onkel, unterschreibt dann schnell mal etwas gefälligkeitshalber. Nicht selten finden derartige Sub-Vermittler in ihrem Ober-Vermittler einen Fürsprecher, der eine fristlose Kündigung verhindert, weil dieser Ober-Stukki (Ober-Vermittler) von einer offiziellen Rückabwicklung respektive Stornierung der/des Vertrages vielleicht ebenfalls Karrierestufenrelevant betroffen wäre. Er würde gegebenenfalls selbst auf der Karriereleiter rückgestuft und müsste Provisionen zurückbezahlen…

Doch Hundertausende von Sub-Vermittlern sind selbst Opfer dieses MLM-Systems, das nicht auf Qualität sondern auf Quantität ausgerichtet ist. Weshalb allein ein ‚Gesetz zur Minimierung von Verbraucher Anlage-Risiken‘ vollkommen unzureichend bleibt, weil es den eigentlichen Problem-Kern aller im Umgang mit Finanzvertrieben stehen Verbraucher weit verfehlt. Es ist denn auch kaum anzunehmen, dass Gesetzgeber und Handelsrichter diese kausalen MLM-Gegebenheiten wirklich kennen, obwohl tausende von Kundenklagen und Insiderberichten gerichtshängig sind oder waren.

Mithin sei die abschließende Frage sicher erlaubt: interessiert das überhaupt einen Vertreter von Legislative und Judikative…?

Maximilian von Ah
Buchautor GELD FRESSEN SEELE AUF (INSIDER-ROMAN)
und ehemaliger geschäftsführender Landesdirektor im MLM Finanzvertrieb
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