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Finanzvermitter leben vom vermitteln, nicht vom beraten.Am 10. November 2011 lud der österreichische Verein für Konsumenten Information (VKI) und der Finanzvertrieb-Insider und Buchautor Maximilian von Ah, diverse Journalisten zu einem Hintergrundgespräch in Sachen Finanz-Vertriebe im MLM Multi-Level-Netzwerk-Marketing nach Wien ein.

Hintergrund waren zum einen die fünf Sammelklagen des VKI, in denen nahezu 7’000 AWD-Geschädigte sich beim VKI meldeten und davon rund 2’500 AWD-Kunden die AWD Gesellschaft für Wirtschaftsberatung GmbH auf systematische Falschberatung verklagten und Schadensersatzforderungen in Höhe von 40 Millionen Euro stellten. Die AWD-Finanzoptimierer hatten ihnen zu einer Anlage geraten, die in ihrer Sicherheit mit einem Sparbuch vergleichbar sein sollte, manche sprachen gar von einer „Mündelsicherheit“. Die Firma AWD selbst sprach in ihren Unterlagen für die AWD-Vermittler/AWD-Handelsvertreter/freie AWD-Agenten, von einem Investment in einen Fonds. Dass die AWD-Kunden in Tat und Wahrheit in „volatile, hochriskante Einzel-Aktien“ investierten, fiel den meisten erst auf als es zu spät war. Die Kapitalverluste der Immofinanz und Immoeast waren denn auch enorm und stürzten so manchen dieser AWD-Kunden in ein pures Desaster.

Mit einigem Aufwand recherchierte der VKI die Hintergründe und Abläufe des „AWD Vorgehens“ und erkannte die dahinterstehende, verkaufszielgerichtete Systematik, weshalb alle Sammelklagen mit dem Fokus auf diese gezielte AWD-Systematik ausgerichtet wurden.

Der andere Hintergrund der zu dieser Einladung von interessierten Medienvertretern nach Wien führte, beruhte auf der Herausgabe meines Insider-Buches: GELD FRESSEN SEELE AUF, indem ich meine eigene MLM-Karriere-Erfahrung als Finanzvermittler und Strukturvertriebs-Führungsmanager, meine damit stark beeinflusste Lebens- und Familiengeschichte, unter dem Pseudonym Maximilian von Ah herausbrachte. Viele Leserinnen und Leser haben schnell verstanden, dass ich aus Angst um mein und meiner Familie Leben nur unter einem Pseudonym schreiben konnte. Dass ich mithin wahrscheinlich einer der wenigen, wenn nicht gar der einzige ehemalige Führungsmanager und Geheimnisträger bin, der keinen Vertrag mit Schweigeklausel unterzeichnete und natürlich auch keinen Schweigelohn dafür einsteckte, hat AWD und Carsten Maschmeyer schon immer fuchsteufelswild gemacht. Die Auswirkungen mussten meine vier Kinder, zwei Enkel, meine psychisch krankgewordene Exfrau und ich, bis heute sehr teuer bezahlen – was mein Buch nur im Ansatz erzählt…

Als ehemaliger geschäftsführender Landesdirektor habe ich den Karriereweg des MLM-Network-Marketing, von der untersten bis zur obersten Pyramidenstufe im Finanzvertrieb erklettert. Ich kenne also dieses Multi-Level-Marketing-System und seine „gebeugten Wahrheiten“ aus dem Effeff – ja: ich muss sogar zugeben und sagen, dass ich all diese Jahre bei AWD und OVB ein „Überzeugungsmittäter“ war; ein von Maschmeyer infiltrierter System- und Erfolgsgeblendeter, der sich nach dem Ausstieg, mit zunehmendem Abstand, auch an die eigene Nase fassen musste und viele Jahre brauchte, um sich selbst diese eigene Dummheit und Blindheit einzugestehen und noch viel später, zu verzeihen… Ich kann nur hoffen: dass auch meine Kinder mir, irgendwann, dieses doch gutgemeinte Engagement verzeihen!

Dass dieses „Wiener Hintergrundgespräch“ dem AWD ein sofortiges Medien-Dementi herauslockte, blieb anzunehmen. Genauso hätte ich persönlich den Text dieses Dementis schreiben können, weil er immer noch – selbst nach so vielen Jahren – die gleiche Taktik spiegelt. Schon 1988 hat Maschmeyer allen Kritikern, insbesondere allen Journalisten gegenüber, die „Dreistufentaktik“ angewandt:

1. grundsätzlich alles leugnen und sofort zum Gegenangriff blasen – Gegenseite zunächst einschüchtern, mit juristischen Schriftsätzen zuballern und in eine Verteidigungsposition zwingen;

2. ist Leugnen zwecklos, wird es zum Einzelfall heruntergespielt und darauf verwiesen, dass es schon viele Jahre her sei; zwischenzeitlich habe man bei AWD vieles geändert und spielt dabei auf eine angebliche Qualifizierungs- und Ausbildungsoffensive bei den Vermittlern an. Was im Übrigen aber mit diesem AWD Dokument widerlegt wird! Heisst: nach wie vor vermitteln auch Nichtausgebildete, Anfänger, volatile und risikoerklärungsbedürftige AWD-Finanz-Produkte!

3. wenn es denn gar nicht anderes geht, bleibt die Vergleichslösung, mit  Verschwiegenheitsklausel und Konventionalstrafen-Vereinbarung…

Wie das Hintergrund-Gespräch mit den Medienvertretern in Wien nun zeigte, spielt diese alte Taktik immer noch erfolgreich. Denn selbst die heutigen Medienvertreter glauben, dass die Eigentümer dieser MLM-Strukturfirmen an ihrem jahrzehnte erfolgreichen „Winning-System“, doch sicher im Laufe der Jahre etwas geändert und gebessert haben. Aber was sollten sie ändern – und vor allem: warum?

Nur weil der Finanzmarkt immer schwerer zu regulieren, zu verstehen und zu durchschauen ist, immer kompliziertere Finanzprodukte kreiert und die Ausbildung der geprüften Finanzberater aufwendiger und anspruchsvoller gestaltet werden, heisst das doch nicht, dass auch ein MLM-Finanzfirmen-System, dass grundsätzlich auf dem „Gesetz der großen Zahl“, also auf dem Massengeschäft aufbaut, sich einer solchen „Provisionen- und Gewinnversauenden Blockade“ freiwillig unterwirft. Allerdings gehört es zur bisher erfolgreichen AWD Strategie, alle willig Gläubigen glauben zu lassen und der nötigen Opportunität das Wort zu reden.

Natürlich haben Finanzvertriebe wie AWD & Co, ihre Vermittler an externe Prüfer heranführen müssen und natürlich brüsten sie sich (schon immer) vollmundig mit einem „ethischen Numerus Clausus“, der über eine „neue Qualifizierungs- und Ausbildungs-Offensive, eine Vielzahl von Akademikern in die „Dritte Generation der Finanzdienstleister“ holen würde. Auch finanziert und veröffentlicht man gerne Umfragen, wonach neuerdings hochqualifizierte Frauen ganz besonders an einer Karriere in der Finanzdienstleistung interessiert wären. Allein das System selbst, bleibt immer unverändert und systembedingt führen auch nur Vermittlergeschäfte in großer Zahl (Vorgaben im Karriereplan) auf der Pyramide nach oben. Mit kleineren Vermittlungen oder „Beratungen“ funktioniert die MLM-Karriere nicht, weil das MLM-System sich damit selbst ad absurdum führen würde.

Die Pyramiden-Karriere würde nicht mehr funktionieren, weil sie nur auf der Basis von: Geschäfts-Vermittlungs-Additionen (unterste Karrierestufen), Multiplikationen (mittlere Karrierestufen) und der Geschäfts- und Provisions-Potenzierung auf den obersten Karrierestufen, unter Durchlauf von Massen an Vermittlern und Kunden, den systemangegebenen wirtschaftlichen Erfolg bringen kann. Das System lebt vom gezielt suggerierten, brennenden Wunsch und Antrieb, eigenen finanziellen Reichtum zu erlangen. Dazu braucht es eine ständige Neuzufuhr an Vermittlern und Kunden, auch um der sehr hohen Fluktuationen, die ebenfalls systembedingt erfolgen, Rechnung zu tragen. Es ist deshalb geradezu ein Widerspruch in sich, wenn ein Finanz-Vermittler sich als „Finanz-Berater“ verkauft, weil jede „Beratung“ die systemsuggerierte, schnelle Karriere hemmt.

Ein Finanzvermittler lebt von Vermittler-Provisionen. Berater-Provisionen gibt es nicht – wohl aber Berater-Honorare.

Ein weiterer Beweis dafür, dass Vermittler keine Zeit für eine bedarfsorientierte Kundenberatung haben, lautet: die Finanz-Vermittlerprovisionen fließen, für den Lebensunterhaltsbedarf und für das Aufrechterhalten der Vermittler-Motivation, nicht schnell genug. Denn die Verarbeitung der vermittelten Kundenkonto-Eröffnungsanträge, die Prüfung aller Kundendaten und Antragsdokumente, die Anweisung und Überweisung der Vermittlerprovision, dauert bei den Produktpartnern, je nach Komplexität der Finanzprodukte, bis zu sechs Monate. Aus diesem Grund unterhalten die Finanzvertriebs-Firmen eigene Provisions-Vorschuss-Systeme auf Kreditbasis. Zwar wollen die Finanzvertriebs-Firmen ihren Vermittlern glauben machen, dass diese Kredite mit den nach und nach verdienten, eingetroffenen Provisionen schnell abbezahlt wären, doch dreht sich für die Vermittler eine unaufhaltsame Schulden- und Kreditspirale, weil sie nur durch immer neue Provisionsansprüche sprich Finanzprodukt-Vermittlungsgeschäfte, ihre immensen, mit der Karriere ansteigenden Betriebskosten sowie ihren Lebensunterhalt decken können. Doch die immer neuen Vorschüsse, auf die permanent neu eingeforderten und neu eingereichten Vermittlungsgeschäfte, tilgen allenfalls alte Kreditschulden. Sollten zudem noch irgendwelche Vertrags-Stornierungen oder Ablehnungen von Kundeneröffnungen durch Produktpartner zum tragen kommen, dreht sich die Kredit- und Schuldenspirale unaufhörlich und immer schneller…

Und da ein frustrierter Vermittler ein schlechter Vermittler ist, wird er eine zeitlang mit Sondervorschüssen und -krediten gefüttert und ruhig gehalten; was die Abhängigkeiten und den Schuldenstand immer weiter erhöht. Will ein Vermittler dann irgendwann doch aussteigen, wird der Kredit sofort fällig gestellt. Die Firma gibt dann jovial zu verstehen, dass sich der Vermittler gerne eine andere, neue Arbeit suchen dürfe, dort ein „neues soziales Netzwerk“ aufbauen könne, um mit neuen Vermittlungsgeschäften ohne Provisionsvorschussbezug, nach und nach die Schulden abzutragen. Natürlich könne die Person auch jederzeit den Kredit komplett tilgen.

Hinter dieser Form der „Jovialität“ steht allerdings der perfide Gedanke, dass ein Vermittler der noch Provisionsgelder zu erwarten hat oder Kredite tilgen muss, beeinflussbar bleibt und in der Öffentlichkeit nicht negativ über die Firma spricht. Zumal über diese Art der durch Abhängigkeiten gekauften Loyalität, auch Kreditschuldentilgungen verhandelbar bleiben…

Ein Narr, wer Böses dabei denkt!

Und hier ist das Wiener Medienecho:

http://www.maximilianvonah.com/presse–medien/index.html

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