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AWDStellen Sie sich doch bitte nur einmal vor, Sie suchen schon seit einiger Zeit nach einem Ausweg für ein ganz bestimmtes und durchaus schwerwiegendes zukunftsträchtiges Problem Ihres Unternehmens. Irgendwann erfahren Sie nun über den Markt, dass es da einen Anbieter gibt, dessen Angebot Ausweg und Lösung Ihres Problems sein könnte. Sie nehmen also Kontakt zu diesem Anbieter auf, um Näheres zu erfahren. Langjährig erfahren und vorsichtig wie Sie sind, wollen Sie dessen Angebot genau prüfen, zudem externe Spezialisten, Fachleute eben, unbedingt mitprüfen lassen, damit Sie sicher sein können nichts zu übersehen…

Bis dahin wahrscheinlich alles sicher nachvollziehbar und vernünftig, nicht wahr.

Nun stellen Sie sich bitte weiter vor, Sie wissen, dass Sie nicht einziger Kauf-Interessent dieses Angebots sind, was besagter Anbieter auch geschickt und gut pointiert immer wieder zu betonen weiß. Was Sie eigentlich vom Hörensagen her wissen müssten, aber warum auch immer nicht berücksichtigen, ist, dass dieser freundliche, fach-kompetent jung-dynamisch wirkende Anbieter, ein geschickter Verkäufer und Marketing-Stratege ist, der auch auf der „Klaviatur der gezielten Gerüchte-Streuung“ einen absoluten summa cum-laude Master repräsentiert. Sie sind hocherfreut, dass Ihnen der Anbieter so vollkommen aus Ihrer Bedarfs-Seele redet, als ob er Ihre Gedanken und Wünsche lesen könnte. Schon sehen Sie alle Probleme gelöst und Ihr Unternehmen weiter prosperieren – fast zu schön um wahr zu sein, denken Sie. Dann erfahren Sie über Dritte, dass es tatsächlich ernsthafte Mitbewerber zu diesem Angebot gibt, die durchaus in der Lage sind schnell zu handeln und Ihnen die Lösung Ihres Problems vor der Nase wegzuschnappen. Die Zeit scheint demnach knapp.

Sie entscheiden sich, wollen handeln, werden konkret und signalisieren nunmehr Ihr ernsthaftes Kaufinteresse, welches allerdings einer konkreten Buchprüfung, einer Due Diligence, standhalten müsse, lassen Sie sich vernehmen.

Hocherfreut, absolut verständnisvoll und noch freundlicher als bisher, bezeugt Ihnen der Anbieter, selbstverständlich alle zur Buchprüfung relevanten Fakten offen auf den Tisch legen zu wollen. Sie sind sehr positiv und zuversichtlich gestimmt und hegen keinerlei Verdacht, als der Anbieter dann festzulegen wünscht, dass für diese Due Diligence sicher drei Tage ausreichen sollten. Schließlich müsse man als börsennotiertes Unternehmen derartige Gespräche und Prüfungen unbedingt geheimhalten, um nicht einem Insider-Handel Vorschub zu leisten und Gefahr zu laufen gegen Gesetze und Börsen-Regeln zu verstoßen. Ein Argument, das offenbar ein weiterer Kaufinteressent, die Postbank, für sich nicht gelten ließ und dem Anbieter aufgrund dieser zu kurz bemessen Due-Diligence-Zeit eine Abfuhr erteilte.

Ich erinnere mich wie heute: In seinen „CM-Specials für Führungsmanager des AWD“, gab Carsten Maschmeyer seinerzeit immer folgende Handlungsmaxime für jeden „AWD-Vermittler/-Verkäufer“ heraus:

  • machen Sie sich vorher über Ihre Kunden schlau und geben Sie ihnen nur das zu hören oder zu sehen, was diese wollen;
  • geben Sie den Menschen nur gute Gefühle und lassen Sie die Menschen durch Bild-Suggestionen erspüren, wie toll sie sich mit dem Produkt fühlen werden;
  • lassen Sie die Menschen richtiggehend in diesen Gefühlen baden.

Und nun kommt der entscheidende Schritt! Wenn Sie die Menschen so richtig auf den Höhenpunkt ihres Glücksgefühls gepusht haben und diese sich jetzt mit diesem Produkt schon am Ziel ihres Wunsches glauben, nehmen Sie ihnen das Produkt einfach wieder weg.

  • machen Sie sich und das Produkt rar, indem Sie vorgeben künftig sehr wenig Zeit zu haben und das Produkt, weil „Renner“, vielleicht bald ausverkauft ist.
  • lassen Sie den Menschen nicht viel Zeit zum Nachdenken, denn mit jedem Nachdenken kommen neue Fragen.

Dass in gleicher Weise die gesamte Swiss-Life-Konzernleitung diesem Verkaufs-Strategen Carsten Maschmeyer auf den Leim gegangen ist (Milliarden Abschreiber-Medienbericht), dürfte heute wohl wirklich Jedem klar sein; auch dass die Due Diligence eines solchen MLM-Finanzvertrieb-Unternehmens, niemals innerhalb von drei Tagen, dem Zweck der Prüfung gerecht, durchgeführt werden kann. Hätten die Prüfer zudem Ahnung von Vertriebs-Kennzahlen gehabt, hätten sie gewarnt sein müssen. Kommt erschwerend hinzu, dass Kennzahlen in einem „Vertrieb Maschmeyer’scher Prägung„, selbstredend immer „Best-Select“, nur einem Zweck dienen: Animation von Glückshormonen während Show & Entertainment. Schließlich sollen Menschen bekommen, was sie wollen, oder wie Carsten Maschmeyer zu sagen pflegt: AFFEN WOLLEN NÜSSE!

Übrigens dies alles relativ vorhersehend, habe ich bereits vor Abgabe des öffentlichen Angebotes der Swiss-Life an AWD, dem damaligen CEO der Swiss-Life, Rolf Dörig, (heute VR-Präsident) einen persönlichen Brief geschrieben und ihm meine persönliche Mithilfe bei der Prüfung und allfälligen Integration des AWD in die Swiss-Life angeboten. Wohl wissend, dass circa 90% aller Merger & Acquisitions gerade an der kulturellen Integration jener übernommen Firmen- und Business-Units scheitern. Und der Kulturunterschied schien mir zwischen Swiss-Life und AWD geradezu gravierend. Die Antwort des Rolf Dörig an mich kam nach Wochen. Allerdings nicht von Dörig selbst, sondern von einem kleinen mir unbekannten Beratungs-Unternehmer, der angeblich bereits diesen von mir skizzierten Integrations-Auftrag von Rolf Dörig erhalten hatte. Auf meine Mithilfe, als ehemaliger Insider und geschäftsführender Landesdirektor im Finanzvertrieb, wolle man mithin verzichten, schrieb jener Kalfaktor.

Wie nun aber die hanebüchene AWD-Unternehmens-Wertberichtigung von derzeit avisierten 1 Milliarde Euro zeigt, müsste es jetzt eigentlich nur noch eine Frage der Zeit sein, bis einige Aktionäre wirklich hellwach werden und dem Verwaltungsrat, dem obersten Aufsichtsgremium des Swiss-Life-Konzerns, eine gesalzene Verantwortlichkeitsklage gemäß Schweizer Obligationenrecht ins Value-Drain-Haus stellen. Aber bekanntlich braucht es dazu gerade in Schweiz etwas länger – die alte Ikone SwissAir lässt schön grüßen.

Video: AFFEN WOLLEN NÜSSE

Finanzdienstleistung a la AWD & Co

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