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AWD-Guru MaschmeyerIm Interview mit der Finanz-Zeitung €uro am Sonntag, gibt AWD-Gründer Maschmeyer zu verstehen:

››meine Lebensplanung sah vor, mit dem 50. Lebensjahr die operative AWD-Führung abzugeben und etwas Neues anzufangen.‹‹

Diese Planungstatsache wäre sicher als Solches auch nicht zu beanstanden, ließe man dabei nicht außer Acht, dass der AWD, so wie alle Finanz-Strukturvertriebe, nach dem System des MLM sprich Multi-Level-Marketing arbeitet; ein rein auf AWD-Mitarbeiter-Beziehungen aufgebautes soziales Netzwerken und Geschäften.

Soziales Netzwerk-Geschäften beginnt dabei zunächst immer im eigenen persönlichen Netzwerk, und selbst Carsten Maschmeyer hat unter OVB-Gründer Otto Wittschier dereinst so angefangen.

Dass wirklich große Geld-Geschäft im Multi-Level-Marketing, liegt allerdings im Gesetz der großen Zahl (jemehr Vermittler, jemehr Geschäft) und in der alleinigen Eigentümerschaft an allen Vertriebs- und Marketing-Rechten.

Als junger Einsteiger und Anfänger fädelte also auch jener Carsten Maschmeyer, damals in den 70er Jahren des alten Jahrhunderts, in seinem ureigenen persönlichen Studenten- und Familien-Umfeld, das „People & Financial Fishing“ seiner Vertriebs-Karriere ein. Und auch er wurde zunächst ständig von einem persönlichen Teamleiter begleitet, trainiert und gecoacht, ehe ihn sein offenbar vorhandenes „Verkaufs- und Rhetorik-Talent“ auf der systematisch vorgespurten MLM-Karriere-Leiter ins erste größere Geldverdienen brachte.

Die Erfolgs-Karriere Maschmeyers kam indes erst richtig ins Rollen, als er  Freunde und Bekannte, jene die mittlerweile zu seinen Kunden und Bewunderern zählten, auch noch anwarb es ihm gleich zu tun; also ebenfalls Mitarbeiter bei der OVB zu werden und gemeinsam mit ihm, allerdings jetzt in eben den um diese Freunde und Bekannten erweiterten Netzwerken ››Altersvorsorge orientiert‹‹ fischen zu gehen.

Als dann diese Maschmeyer-Freunde und -Bekannte ebenfalls bereit waren ihre eigenen Verwandten, Freunde und Bekannten für die OVB anzuwerben, um hernach in deren sozialen Netzwerken Finanzprodukte zu verkaufen und über diese Vermittlungsgeschäfte die eigene Karriere zu lancieren, wurde Carsten Maschmeyers MLM-Finanzvertriebsaufstieg zu einer revolvierenden Geldmaschine. (Video)

Dies nicht zuletzt deshalb, weil im MLM-System ein Jeder der einen neuen Mitarbeiter angeworben hat, an dessen künftigen Vermittlungsgeschäften prozentual mitverdient. Allerdings, und das kann nicht deutlich genug hervorgehoben werden, basiert diese Art des ››Provisions-Sharings‹‹ auf einem ganz entscheidenden ›psychosozialen Bindungs-Faktor‹.

Otto Wittschier, der damalige Chef, Gründer & Eigentümer der OVB in Köln, ließ seinerzeit seine Firma aus den Ruinen der fragwürdig bankrott vermeldeten Schweizerischen IOS (Investors Overseas Services) entstehen und bläute Zögling Maschmeyer immer wieder ein, er möge unbedingt jeden seiner angeworbenen OVB-Mitarbeiter rund um die Uhr persönlich betreuen. Keiner dieser Finanz- und Vermögensberater dürfe auch nur einen halben Tag lang ohne Führung, ohne Telefongespräch, ergo ohne neuen Kundenkontakt bleiben, so der damalige OVB-Patron.

Und Maschmeyer erkannte diese elementar wichtige Komponente, die im Aufbau und in der Pflege einer ganz persönlichen Mitarbeiter-Bindung liegt. Er erkannte wie wichtig es einst werden könnte, alles über seine Mitarbeiter zu wissen: wen und was sie lieben, welche geheimen Ängste, Träume und Wünsche sie haben, und mit welcher ››Lebens-Vision‹‹ diese sich so richtig motivieren lassen. Bis spät in jede Nacht hinein, verfolgte der aufsteigende Guru seine Mitarbeiter mit Telefonaten und Fragen ob und für wann sie ihre nächsten Kundengespräche vereinbart hätten. Und jeder erfolgreich tätige Mitarbeiter erfuhr des Finanz-Magiers öffentlich zelebrierte Belobigung und finanzielle Freigebigkeit. Die Erfolglosen kamen indes namentlich an den wöchentlichen AWD-Wideboard-Pranger, der mit einer ungeschriebenen, lediglich fühlbaren Headline überschrieben schien: ››Schaut her: Ich-bin-einfach-zu-dumm-um-ausreichend-Kunden-Termine-zu-machen.‹‹

Darüber hinaus wurde Maschmeyer alsbald ebenfalls bewusst, dass es eine zweite, sehr elementare Komponente als Voraussetzung für die Nachhaltigkeit seines Geschäftserfolgs gibt: die alleinige Eigentümerschaft an allen Vertriebs- und Marketing-Rechten. Den unter dem AWD-Logo Finanzprodukte vermittelnden Sub-Agenten (Handelsvertreter), die er gern als ›seine Mitarbeiter‹ bezeichnete, verkaufte er das allerdings als Unabhängigkeit von den am Markt tätigen Finanz-Produktanbietern.

Mit der Gründung des AWD Allgemeinen Wirtschaftsdienstes, 1988, zählte Carsten Maschmeyer 29 Lenze und hielt mithin alle diese elementaren Grundlagen und Erfolgsgaranten in der eigenen Hand. Doch entwickelte Maschmayer bereits in den ersten AWD-Jahren eine dritte sehr starke Mitarbeiter-Bindungs-Komponente: das Provisions-Vorschuss-System, das die meisten AWD-Mitarbeiter bis heute, in eine totale finanzielle Abhängigkeit zum AWD führt. Hier kumulieren die Vertriebsmitarbeiter enorme Schuldenlasten, weil ihre noch nicht ins Verdienen gekommenen Provisionen einer Rückzahlungsverpflichtung unterliegen. Dieses Damokles-Schwert verhindert einerseits, das Mitarbeiter bei der Vertriebsfirma kündigen, weil sie dann ihre Schulden ausgleichen müssen (diese liegen vielfach zwischen 20000 bis 80000 Euro), und andererseits treibt es Mitarbeiter in Ängste und Existenznöte, die nicht selten AWD-Kunden durch falsche Beratung und das Verschweigen von Produktrisiken ausbaden müssen, wie die Gerichtsklagen in Deutschland und Österreich eindrücklich zeigen.

Für die Umsetzung seiner persönlichen Lebensziele sollten dem Finanzguru die nachfolgenden 21 Jahre ausreichen, um aus diesem AWD ein rein auf Mitarbeiter-Beziehungen basierendes, sprich Mitarbeiter-Sozialumfeld abfischendes, Milliarden-Euro-generierendes Firmen-Netzwerk zu formen, welches er voll und ganz auf sein ganz persönliches Führungs-Charisma ausrichtete. Vertriebswichtige Kennzahlen, wie beispielsweise die exakte Anzahl aller AWD-Vertriebs-Mitarbeiter und deren Pro-Kopf-Umsatz, wusste er dabei stets kreativ AWD-nützlich darzustellen.

››Finanzberatung braucht es immer, in guten wie in schlechten Zeiten‹‹, so sein Credo der Weisheit, mit dem er alle Wirtschaftskrisen von Volkswirtschaften, Menschen und Familien, als AWD-Goldwert beschrieb. Ganz im Gegensatz zu dem anfangs  bereits erwähnten aktuellen Interview in Euro am Sonntag, in welchem er vom Pech der AWD-Käuferin Swiss-Life spricht, die den AWD eben leider in einer allgemeinen Wirtschaftskrise übernommen habe.

Der Wind- und Wortgewandte Zahlen-Akrobat und Finanzjongleur Maschmeyer, kannte und kennt selbstredend auch jene durchaus neuralgischen Knackpunkte des MLM-AWD-Beziehungssystems. Gereichte ihm dieses Wissen doch bereits damals, beim Wechsel von der OVB zum AWD, zum millionenfach vergoldeten Vorteil.

Schon damals wusste er, dass in einem auf Mitarbeiter-Social-Network basierenden Vertrieb, die unternehmerischen Soft-Factors die Hard-Factors bestimmen.

Schon damals wusste er was es bedeutet, wenn der Spiritus Rektor, gewissermaßen als: ›Ikone, Guru, leibliches Vorbild, Vater, Ernährungs-Garant und emphatisch agierender Seelsorger‹ die Firmen-Arche verlässt. (Social-Cluster-Risk)

Schon damals verließen mit ihm nahezu Tausend Mitarbeiter die Firma OVB, weil persönliche Bindungen (Social-Cluster) eben um ein Vielfaches stärker sind als jeder Vertrag mit einer Firma.

Und schon damals zeigten sich wie heute, gravierende Auswirkungen auf den Umsatz der von Guru-Maschmeyer und Gefolge verlassenen Firma. (Social-Cluster-Risk)

Last but not least weiß Carsten Maschmeyer als MLM-karrieregestählter Vertriebsmann nur zu gut: dass kein angestellter oder mandatierter Unternehmens-Manager, kein angestellter oder mandatierter Geschäftsführer, kein Aufsichts- und Verwaltungsrat der selbst nie Vertriebskarriere machte, diese elementaren Vertriebs-Sensibilitäten und Knackpunkte richtig einschätzen kann und wird. Doch selbst wenn, würden sie daraus weder Nutzen noch Kapital schlagen können, weil ihnen die richtige Ansprache,  Bindungsfähigkeit und Empathie für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Vertrieb einfach fehlt.

Notabene bleibt es auch für die stark Reputation geschädigte, Nebel werfend umbenannte AWD-Nachfolgefirma Swiss-Life-Select, lediglich eine Frage der Zeit, bis ihr RESTWERT AUF NULL abgeschrieben werden muss. Zurück bleibt ein Vertrieb, wie er für die Swiss-Life auch bereits vor dem AWD-Kauf unter dem eigenen Dach existierte: ohne glaubhafte Vision, ohne ausreichende Markt-Penetration, ohne langfristige Mitarbeiterbindung, ohne nachhaltige Verkaufs-Motivation, ergo ohne den dringend benötigten Vertriebserfolg. Allein vorher, war der Firmenname des Swiss-Life-Vertriebs nicht verbrannt, was man nach dem 1,9 Milliarden teuren Schweizer Franken Einkauf des AWD nicht mehr sagen kann. Dass allerdings heute nicht einmal mehr Veronika Ferres den Namen Maschmeyer tragen möchte, spiegelt meinen Roman-Buchtitel GELD FRESSEN SEELE AUF, den einzig authentischen Thriller aus dem Milieu des Finanzvertriebs, einmal mehr beispielgebend.

Der Swiss-Life-Konzernspitze, allen voran dem ehemaligen CEO und heutigen Verwaltungsrats-Präsidenten Rolf Dörig, bleibt allerdings schon heute die absolute Gewissheit, in einer zunächst nachvollziehbaren Unkenntnis des MLM-Systems, gleichwohl unternehmerisch leichtgläubig, aber ganz sicher unbelehrbar unprofessionell, das Milliardenvermögen ihrer Aktionärinnen und Aktionäre verbrannt respektive an Carsten Maschmeyer verschenkt zu haben. Ein Handeln, das geradezu nach rechtlichen Konsequenzen schreit, doch in der Schweiz nur allzu gern ›d’Fuscht im Sack‹ bedeutet.  

Maximilian von Ah

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